• Alexander Pigulla

Corona in der Schweiz - eine Zwischenbilanz

Seit dem Beginn der Corona-Krise in Europa ist nun fast ein halbes Jahr vergangen, und so ist es nun an der Zeit, eine erste vorsichtige Zwischenbilanz bezüglich der Schweiz und ihres Umgangs mit SARS-CoV-2 zu ziehen.


Am 25. Februar gab es in der Schweiz die ersten im Labor bestätigten Corona-Infektionen. Aufgrund der geographischen Nähe zu Italien und der engen wirtschaftlichen und sozialen Verflechtungen, besonders im Kanton Tessin, wurde schnell klar, dass bei einer ausbleibenden Reaktion ähnliche Zustände wie in Norditalien drohen würden, dem seinerzeitigen Corona-Hotspot von Europa. Die Folge waren erste Einschränkungen am 28. Februar, wie zum Beispiel das rasche Verbot von Veranstaltungen mit mehr als 1'000 Personen.


Trotz dieser ersten Massnahmen, die seinerzeit noch eher spekulativen Charakter hatten, verzeichnete die Schweiz zunächst ein klassisches exponentielles Wachstum. Die Zahl der Neuinfektionen stieg jeden Tag um etwa ein Drittel, was einer Verzehnfachung innerhalb von 8 Tagen entsprach.


Um der Entwicklung Herr zu bleiben, wurden daher am 13. März Veranstaltungen mit über 100 Personen verboten, Lokale und Restaurants durften nur noch 50 Gäste annehmen und der Präsenzunterricht an den Schulen endete. In den Folgetagen veränderte sich noch nichts am exponentielles Wachstum bezüglich der Neuinfektionen, weshalb der Schweizer Bundesrat dann am 16. März die «ausserordentliche Lage» gemäss Epidemiegesetz verkündete.


Dies bedeutete faktisch den Lockdown. Alle Läden, Restaurants, Bars und Unterhaltungsbetriebe jedweder Art wurden sofort geschlossen. Lediglich der Grundversorgung dienende Geschäfte durften unter strengen Auflagen geöffnet bleiben. Diese Massnahme war extrem, vor allem gemessen an dem, was zu diesem Zeitpunkt in anderen Ländern diskutiert wurde, erwiesen sich jedoch als überaus erfolgreich. Das exponentielle Wachstum der Ausbreitung endete ziemlich genau 5 Tage nach der Verhängung. Heute wissen wir, dass dies der Inkubationszeit entspricht, was die Wirksamkeit dieser frühen Eindämmungsmassnahme rückwirkend recht deutlich belegt. Die Zahl der registrierten Neuinfektionen stieg nicht mehr weiter an und sank in der Folge nahezu kontinuierlich ab.


Nach aktuellem Stand (Zahlen vom 16.7.2020) gab es in der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein bisher 33'290 bestätigte Infektionen. 4'112 Menschen wurden wegen Covid-19 hospitalisiert und 1'688 Personen sind bisher daran verstorben. Aktuell befinden sich nach offiziellen Zahlen 707 Menschen in Isolation und 4,245 Personen in Quarantäne.


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Schweiz zunächst zu den am stärksten betroffenen Ländern gehörte, mutmasslich durch ihre geographische Nähe zu Italien, die Situation aber durch frühe und konsequente Massnahmen vergleichsweise schnell in den Griff bekam. Ende Juni gab es, mit der erwartbaren leichten Verzögerung zu den vorsichtigen Lockerungen, wieder eine leichte Steigerung bezüglich der Neuinfektionen, doch diese bleibt relativ stabil und weit von exponentiellem Wachstum entfernt.


Wir werden an dieser Stelle weiter über die Entwicklung berichten und wünschen allen Betroffenen und dem betreuenden medizinischen Personal weiterhin viel Kraft und Beistand.



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